Symph. #4 „Tragische” (Schubert)

Franz Schubert (1797-1828)„Tragische” Sinfonie Nr. 4 in c-Moll 1. Adagio molto – Allegro vivace 2. Andante 3. Menuetto: Allegro vivace 4. Allegro Die 4. Sinfonie c-moll „Tragische” D 417 komponierte der 19-jährige Franz Schubert 1816 in Wien, am Ende der Partitur steht auch der originale Zusatz „tragisch”, der dann zum gewohnten Beinamen der ganzen Sinfonie wurde. Sie ist seine erste Sinfonie in einer Molltonart. Durch Beethoven – vor allem dessen Fünfte Sinfonie – war gerade die Tonart c-Moll zur „tragischen Tonart” geworden. Das Tragische in Schuberts Vierter ist jedoch mehr Gestus als Wirklichkeit. Über weite Strecken handelt es sich um ein durchaus optimistisches, blühendes, energisches Werk. Mit einer für Schubert bis dato ungewöhnlich langen Einleitung im Adagio molto beginnt der erste Satz. Ist dies der Versuch, Tragik auszustellen? Wie auch immer – Schubert gelingt es, dem musikalischen Material Gewicht zu verleihen, so dass der strahlende Satzschluss wie eine freundliche Erlösung erscheint. Es folgt ein Andante, das ein zartes, lyrisches Thema im 2/4-Takt bereithält. Das bewegte Menuett lebt von der Eigenart seines chromatisch getönten und gegen den Takt phrasierten Themas; sein Trio ist quasi ein Bläserländler. Mit feurigem Allegro schließt die Symphonie; hier sind Vergleiche mit Beethoven angebracht. Denn Schubert versucht sich ähnlich wie der Bonner in manchen seiner Werke an einem „Vom Dunkel zum Licht” – aus c-Moll wird hier ein heiteres C-Dur. Quellen:Reclams Konzertführer, Stuttgart 1998Kammerakademie Potsdam, Booklet zur CD Franz Schubert Sinfonie 4 „Tragische“ & Sinfonie 2 – KAP“ Sony ClassicalProgrammvorschau zum 8. Symphoniekonzert der Symphoniker Hamburg 05/2025

Cosí fan tutte Overtüre (Mozart)

Wolfgang Amadeus MozartOvertüre zu „Così fan tutte” (KV 588) C-Dur Das Stück sei albern und unmoralisch, die Musik aber himmlisch: seit ihrer mäßig erfolgreichen Wiener Uraufführung 1790 ist Wolfgang Amadeus Mozarts dritte da-Ponte-Oper „Così fan tutte” ein Fall für sich. Unter dem Verwechslungsspiel um Liebestreue und Verrat verbirgt sich jedenfalls ein Abgrund der Gefühle. „So machen sie’s alle”: Così fan tutte, wohlgemerkt: Cosi fan tutte, nicht tutti – „so machen sie’s alle” die Frauen. Und die Männer? Die Männer stellen die Treue ihrer Frauen auf die Probe: Angeblich ziehen sie in den Krieg, um dann als „Albaner” verkleidet zurückzukehren und incognito dem jeweils anderen Mädchen den Hof zu machen. Anders als zuvor „Le nozze di Figaro” und „Don Giovanni” war „Cosi fan tutte” ein Libretto da Pontes ohne literarische Vorlage und wurde von Anfang an ebenso heftig geschmäht, wie die Musik gerühmt wurde. Kurz vor dem Beginn der Komposition hatte Mozart seine drei letzten großen Symphonien vollendet. So überrascht es nicht, dass die rasante Ouvertüre zu den absoluten Glanzpunkten gehört. Wie bei allen späteren Opern Mozarts ist die Orchesterbehandlung virtuos, besonders die Bläser werden ungemein vielfältig eingesetzt und erzeugen großartige Farben. Quellen:www.opera-inside.comwww.deutschlandfunk.dewww.symphonikerhamburg.de/werke-archiv  

Cellokonzert #1 (Saint-Saëns)

Camille Saint-SaënsCellokonzert Nr. 1 a-Moll op. 33 1. Allegro non troppo2. Allegretto con moto3. Tempo I Camille Saint-Saëns Cellokonzert Nr. 1 a-Moll op. 33 beginnt ungewöhnlich theatralisch: Nach einem Tutti-Akkord des Orchesters präsentiert der Solist sogleich das Hauptthema des ersten Satzes, eine Linie bravourös herabstürzender Triolen. Der Komponist verzichtet damit auf die traditionelle Orchestereinleitung und fällt sozusagen mit der Tür ins Haus, gemäß seiner Maxime „Das Solokonzert muss wie eine dramatische Rolle angelegt und behandelt werden.” Von außen betrachtet besteht das Werk nur aus einem einzigen Satz, was einen Kritiker nach der Uraufführung 1873 dazu veranlasste, es als Konzertstück zu betiteln, völlig übersehend, dass die Binnenstruktur sehr wohl dreisätzig angelegt ist. Das Seitenthema des ersten Satzes fungiert dabei als Ruhepol. In langen großen Linien lässt Saint-Saëns das Cello hier schwelgen. Im Zentrum der Komposition steht jedoch ein menuettartiges, tänzerisches Allegretto, das wie aus der Zeit gefallen scheint. Der Solist begleitet zunächst mit einer kantablen Linie die Streicher, die in hoher Lage und mit Dämpfer anmutig das neue Thema vorstellen. Im weiteren Verlauf des Satzes werden die Rollen immer getauscht, so dass ein konzertantes Wechselspiel zwischen Solist und Orchester entsteht. Der dritte Teil ist mit Un peu moins vite überschrieben, was soviel heißt wie „etwas langsamer”. Das Thema dieses Satzes trägt fast schon opernhafte Züge: in dramatischem Ausdruck lamentiert das Cello über breiten Seufzern in den Streichern, bevor in der Coda abermals ein neues Thema eingeführt wird. Entstehung: 1872Uraufführung: 19. Januar 1873, Paris, ConservatoireSolist der Uraufführung: Auguste TolbecqueWidmung: Auguste TolbecqueSpieldauer: ca. 19–20 Minuten Detail am Rande: obwohl Saint-Saëns mit diesem Cellokonzert weder die instrumentale Norm noch den französischen Zeitgeist traf und er sich die Aufführung seines Konzerts zunächst regelrecht erkämpfen musste, wurde die Uraufführung im Pariser Conservatoire, nicht zuletzt dank Auguste Tolbecques Ansehen als Orchestermusiker, ein voller Erfolg. Quellen:NDR-Podcast „Klassik to go”Harenberg Konzertführer

Die Hebriden (Mendelssohn)

Felix Mendelssohn Bartholdy„Die Hebriden“ – Konzertouvertüre h-Moll op. 26 Allegro moderato – AnimatoEinsätzige Konzertouvertüre Während einer Schottlandreise im Sommer 1829 besuchte der zwanzigjährige Felix Mendelssohn Bartholdy die Hebriden vor der schottischen Westküste. Die raue Insellandschaft inspirierte ihn zu einer Konzertouvertüre, deren erste musikalische Skizze bereits während der Reise entstand. In den folgenden Jahren überarbeitete er das Werk mehrfach, bevor es 1832 in London uraufgeführt wurde. Schon die ersten Takte lassen das Auf und Ab der Meereswellen erahnen. Aus einem ruhig bewegten Motiv entwickelt Mendelssohn eine eindrucksvolle Klanglandschaft mit weit gespannten Melodien, geheimnisvollen Stimmungen und dramatischen Steigerungen. Wechselnde Klangfarben und dynamische Kontraste vermitteln den Eindruck von Wind, Wellen und der unberechenbaren Kraft des Meeres. Die auch als „Fingalshöhle“ bekannte Ouvertüre gilt als herausragendes Beispiel romantischer Naturdarstellung in der Musik. Ohne eine konkrete Handlung zu schildern, verwandelt Mendelssohn seine Landschaftseindrücke in ein eigenständiges Orchesterwerk. Damit gehört die Komposition zu den bedeutendsten Konzertouvertüren des 19. Jahrhunderts. Erste Skizze: 7. August 1829, Tobermory auf der Insel MullEntstehung: 1829–1830, später mehrfach überarbeitetUraufführung: 14. Mai 1832, London, Philharmonic SocietyWerkverzeichnis: MWV P 7Spieldauer: ca. 10 Minuten Detail am Rande: die berühmte Fingalshöhle auf der Insel Staffa gab der Ouvertüre ihren zweiten Namen. Doch Mendelssohn hatte die ersten Takte bereits niedergeschrieben, bevor er die Höhle überhaupt besuchte. Die anschließende Bootsfahrt bekam ihm ausgesprochen schlecht: Der junge Komponist wurde seekrank.

Hornkonzert #4 (Mozart)

Wolfgang Amadeus MozartHornkonzert Nr. 4 in Es-Dur Kv 495 1. Allegro moderato 2. Romanza. Andante 3. Rondo. Allegro vivace Vier glanzvolle Konzerte hat Wolfgang Amadeus Mozart für das Horn geschrieben. Das letzte unter ihnen ist ein besonders virtuoses Werk, das dem Interpreten große musikalische Vielseitigkeit und technische Reife abverlangt. Das Horn hatte in der Epoche der Wiener Klassik noch keinesfalls jenen Stellenwert inne, den es zu späteren Zeiten bekommen sollte, denn das Ventilhorn war noch nicht erfunden und wegen seiner eingeschränkten Möglichkeiten und der heiklen Intonation empfahl es sich nicht unbedingt als Soloinstrument. Hornisten wie Joseph Leutgeb, ein Freund Mozarts, hatten allerdings Spieltechniken parat, die diesen Mangel etwas kompensierten. So konnte Mozart seine Konzerte reicher und vielgestaltiger entwerfen und mit seinen Hornkonzerten Standards setzen. Der erste Satz beginnt mit einem eleganten Hauptthema in Es-Dur, das sich durch virtuose Läufe und dynamische Kontraste sofort ins Ohr der Zuhörer spielt. Technisch ist es wahrscheinlich der anspruchsvollste Satz – nicht umsonst ist er fester Bestandteil vieler Probespiele. Der zweite Satz, mit „Romanze“ überschrieben, erzeugt mit seiner liedhaften Schlichtheit eine berührende und poetische Atmosphäre – ganz anders als im lebhaften Rondo-Finale: Hier erinnert das markant-tänzerische Hauptthema an Jagdhorn-Signale. Quellen:www.swr2.dewww.choriner-musiksommer.deGréta Anna Déri

Prometheus (Beethoven)

Ludwig van Beethoven (1770-1827)Ouvertüre zum Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus” Op. 43 Adagio – Allegro Molto Con Brio Im Jahr 1801 wurde Ludwig van Beethoven durch den Ballettmeister am Wiener Hoftheater, Salvatore Viganò beauftragt, die Musik für sein neues Ballett „Gli uomini di Prometeo” (Die Menschen des Prometheus) zu komponieren. Das Kernthema des Prometheus, nämlich die Auflehnung des Einzelnen zum Wohl der Menschen gegen ein bestehendes Herrschaftssystem, kam Beethovens aufklärerischen Idealen sicherlich entgegen. Für dieses Ballett soll Beethoven innerhalb weniger Wochen die heute gespielte Ouvertüre, eine Introduktion und 16 Tanznummern komponiert haben. Beethoven hielt sich möglichst eng an die Handlung und die Dramaturgie der Vorlage. Das Ergebnis war eine ganz neue Art des musikalischen Tanztheaters, in dem Symphonie, Oper und Ballett ineinanderflossen. In der Spielzeit 1801/02 wurde das Ballett zwar insgesamt 29mal gegeben: für eine Produktion in der damaligen Zeit ein großer Erfolg, die jedoch nicht von Dauer war. Anders aber die Ouvertüre, die schon zu Beethovens Zeit oft einzeln aufgeführt wurde. Zu ihr schreibt der Schweizer Musikwissenschaftler Willy Hess: „Sie ist ein rein symphonisches Tonstück, festlich und nobel in ihrer Haltung, geeignet, um uns aus dem Alltag in die Welt des Schönen zu entrücken…” Quellen:Beethoven-Haus BonnWiener KammerorchesterBärenreiter UrtextKonzerteinführung Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin  

Pulcinella (Strawinsky)

Igor StrawinskyPulcinella Suite 1. Sinfonia2. Serenata3. Scherzino – Allegretto – Andantino4. Tarantella5. Toccata6. Gavotta con due variazioni7. Vivo8. Minuetto – Finale Das stilistische Chamäleon Igor Strawinsky erfand sich immer wieder neu. Nach der Opulenz des „Feuervogels” und dem Schock des „Sacre du printemps” vollzog er eine Wende und grub in der vergessenen „Alten Musik”. Sein daraus hervorgegangenes Ballett „Pulcinella“ entzückte im Mai 1920 das Pariser Publikum. Mit den typischen Verwechslungen und Intrigen der Commedia dell arte purzelt der gewitzte Harlekin Pulcinella durch die Handlung. Eifersüchtige Rivalen trachten ihm nach dem Leben, doch Pulcinella schickt sein Double in den Kampf. Den vermeintlich Toten erweckt er in der Verkleidung als Zauberer wieder zum Leben und heiratet schließlich seine Geliebte Pimpinella. Das Bühnenbild und die Kostüme stammten von Pablo Picasso. Mit ihm zusammen auf Reisen hatte Strawinsky die Tradition des süditalienischen Volkstheaters kennengelernt. Deren maskentragende Figuren waren vom 17. bis zum 19. Jahrhundert in ganz Europa populär. Als musikalische Grundlage dienten Kompositionen, die man Giovanni Battista Pergolesi zuschrieb. Strawinsky arrangierte nicht einfach die Vorlage neu, sondern entwickelte ihre Themen und Motive weiter, zerriss die gleichmäßigen Perioden, schärfte und modernisierte ihren Zuschnitt. Er zog der Musik mit seinen eigenen Rhythmen und Harmonien ein neues Gewand an und prägte so die neoklassizistische Strömung in der Musikgeschichte. Im Konzertsaal ist meist die Suite von 1922 zu hören, die das Werk auf acht Sätze beschränkt. Überraschend klein wählte Strawinsky die Orchesterbesetzung von nur 18 Musikern: zwei Streichquintette als Solo und Tutti plus Holz- und Blechbläser ohne Klarinetten und Schlagzeug. Impresario Sergej Diaghilew war von dieser Art der Bearbeitung erst ganz und gar nicht angetan. So berichtete der Komponist: „Meine Musik schockierte ihn so, dass er lange Zeit mit einem Gesicht umherging, das «Das beleidigte 18. Jahrhundert» auszudrücken schien.“ Doch von der Uraufführung bis heute hat das Stück nichts von seiner Wirksamkeit als eine der stärksten Strawinsky-Partituren neben dem „Sacre” eingebüßt. Quellen:Werkeinführung von Kerstin Schüssler-BachHarenberg Konzertführer

Symphonie Classique (Prokofjew)

Sergej Prokofjew„Symphonie Classique” op. 25 1. Allegro con brio2. Larghetto3. Gavotte4. Molto vivace Sergej Prokofjews „Symphonie Classique” könnte auch Joseph Haydn geschrieben haben, doch nur auf den ersten Blick. Sie beginnt mit einem typischen Orchesterschlag, dann aber missachtet Prokofjew lustvoll die Gepflogenheiten: ein zartes, graziöses Thema artet in heilloses Durcheinander aus, Metren überlagern sich, in zwei Takten geht es schon mal durch drei verschiedene Tonarten. Immer wenn sich der Hörer auf sicherem Terrain fühlt, wird er auf liebenswürdige Weise aufs Glatteis geführt. Im letzten Satz stellt der Komponist sogar die Regel auf, keine Mollakkorde verwenden zu dürfen. In Klang und Form unterscheidet sich die Komposition stark von anderen Werken aus seiner Feder: kein gigantisches spätromantisches Orchester, keine Aufführungsdauer einer knappen Stunde, sondern es genügen ein klassisches Orchester und bescheidene fünfzehn Minuten. Mitten im Ersten Weltkrieg entsteht das Werk „aus Übermut“, sagt Prokofjew, „und um die Philister zu ärgern”. Quellen:br-klassikWDR 3 Werkbetrachtung

Symphonie #36 „Linzer” (Mozart)

Wolfgang Amadeus MozartSymphonie Nr. 36 „Linzer” KV 425 1. Adagio – Allegro spiritoso2. Poco Adagio3. Menuetto4. Finale. Presto An keiner einzigen Stelle merkt man Wolfgang Amadeus Mozarts „Linzer Symphonie“ an, dass sie unter Zeitdruck in nur vier Tagen entstanden ist – und schon gar nicht hat Mozart zu bewährten Mustern aus der Routinekiste gegriffen. Vielmehr verwendete er Themen aus seinem Skizzenbuch, die aus den Symphonie-Einleitungen seines Vorbilds Joseph Haydn stammten. Einfach kopieren war aber natürlich nicht seins. Denn die Einleitung der „Linzer Symphonie”, die am 4. November 1783 uraufgeführt wurde, ist so einzigartig in ihrer majestätischen Langsamkeit – so weit war Joseph Haydn damals in seinem Schaffen noch nicht gekommen. Dessen Duktus war auch ein ganz anderer: bescheiden und einfach, während Mozart für das Adagio die große Bühne wählte, um den ersten Takten des ersten Satzes majestätisches Gewicht zu verleihen. Im zweiten Satz herrscht vordergründig Heile-Welt-Stimmung in F-Dur und wiegendem Rhythmus. Ungewöhnlich ist jedoch, dass Mozart die Trompeten und Pauken im Andante nicht pausieren lässt, sondern durch sie bedrohliche harmonische Eintrübungen aufleben lässt. Das Menuett zieht harmlos, aber freundlich grazioso vorüber, bevor das finale Presto losrennt – ohne Rücksicht auf Verluste nimmt es jede kontrapunktische Kunstfertigkeit mit und ist einfach ein Triumph über jede Art von Missbilligung. Die „Linzer“ zählt bereits zu Mozarts letzten Symphonien – nur noch fünf weitere folgten. Stilistisch ist hier schon vieles angedeutet und sogar ausgereift, was dann sein Spätwerk ausmachen wird, insbesondere im Finalsatz: „Hier wird eine riesige Architektur entworfen, um alles Material zusammenzuführen”, wie der Dirigent Ivor Bolton treffend anmerkt. Quellen:BR Klassik Podcast „Das starke Stück –    Musiker erklären Meisterwerke”, Oktober 2017SWR – Musikstück der Woche 0/12 2010Magazin – Konzerthaus Berlin „Etwas Neues    über Mozart” 13/04/2024 Digitales Programmheft

4. Symphonie „Italienische” (Mendelssohn)

Felix Mendelssohn Bartholdy4. Symphonie „Italienische” 1. Allegro vivace2. Andante con moto3. Con moto moderato4. Saltarello. Presto Sie gehörte einfach für den Adel und das gehobene Bürgertum dazu: die Bildungsreise, deren ultimativer Höhepunkt Italien war. Auch der junge Felix Mendelssohn Bartholdy wurde von seinem Vater im Mai 1830 auf diese Grand Tour geschickt. Über Weimar, wo er Goethe traf, ging es nach München und Wien und schließlich nach Venedig, Florenz, Rom und Neapel. Eineinhalb Jahre war der junge Komponist unterwegs, berauscht von den vielen Eindrücken, die er in zahlreichen Briefen festhielt. Mendelssohn dürstete nach Bildung, dazu studierte er Notenhandschriften und fertigte Kopien von alten Meistern an. Erstaunlich ist, dass er neben alldem noch Zeit fand, intensiv zu komponieren. Die Ouvertüre „Die Hebriden” entstand hier, und er erhielt Inspirationen für seine „Italienische Sinfonie”. Im Februar 1831 schrieb er an seine Schwester Fanny: „Überhaupt geht es mit dem Componieren jetzt wieder frisch. Die «italienische» Sinfonie macht große Fortschritte; es wird das lustigste Stück, das ich gemacht habe.” Prägnant und mit sprudelnder Frische eröffnet die Sinfonie: Über den raschen Achtel-Wiederholungen der Holzbläser und Hörner entfaltet sich das Hauptthema in den Violinen. Der Signal-Charakter dieses Beginns prägt den gesamten Satz. Das folgende „Andante con moto” in d-Moll verströmt eine elegische Stimmung; der trauermarschartige Satz entstand mutmaßlich in Anlehnung an eine Pilgerprozession, der Mendelssohn in Neapel beiwohnte. Zu Beginn ertönt ein zweitaktiges Motto, welches an strukturellen Angelpunkten wieder auftaucht. Eine Verwandtschaft zwischen dem sich anschließenden Hauptthema und der Vertonung des Goethe-Gedichts „Es war ein König von Thule” von Carl Friedrich Zelter ist kaum zu überhören. Somit könnte dieses Zitat auch als eine Art zweifache Hommage an die beiden Mentoren Mendelssohns verstanden werden. Auf das klassische Menuett greift Mendelssohn im dritten Satz, „Con moto moderato”, zurück. Von zart schwingenden Melodien der Streicher eröffnet, verströmt es Leichtigkeit und flankiert ein Trio mit bittersüß eingedunkelten Akkorden der Hörner und Fagotte. Und nicht in der zu erwartenden Grundtonart A-Dur, sondern in deren Moll-Variante steht dann das „Presto”-Finale, das nach dem aus Rom stammenden lebhaften Springtanz als „Saltarello” bezeichnet ist. Es tritt als herbwilde Spiegelung des Kopfsatzes auf, woran fugierte Zitate erinnern. Mendelssohn liebte den Blick in die Vergangenheit, er blieb größtenteils in der klassischen Tradition Beethovens und empfand dies nie als Bürde. In der „Italienischen” Sinfonie verkehrte er Beethovens dramaturgische Leitlinie „vom Dunkel ins Licht” ins Gegenteil. Quellen:www.br-klassik.dewww.rondomagazin.dewww.symphonikerhamburg.dewww1.wdr.de

Albrecht Dürer Symphoniker e.V.