Johannes Brahms
Ungarischer Tanz Nr. 5
Allegro – Vivace
Einsätziges Tanzstück mit kontrastierenden Abschnitten
und ausgeprägten Tempowechseln
Johannes Brahms lernte die ungarisch geprägte Tanzmusik bereits in jungen Jahren kennen, als er den ungarischen Geiger Eduard Reményi auf Konzertreisen begleitete. Besonders die temperamentvollen Melodien und wechselnden Rhythmen des Csárdás faszinierten ihn. Aus diesen Eindrücken entstand eine Sammlung von 21 ungarischen Tänzen, deren erste zehn 1869 in einer Fassung für Klavier zu vier Händen erschienen. Der fünfte Tanz wurde zum bekanntesten Stück der Reihe.
Eine schwungvolle Mollmelodie eröffnet den Tanz, dessen Charakter von leidenschaftlichen Gesten und überraschenden Tempowechseln geprägt ist. Auf das markante Hauptthema folgt ein lebhafter Mittelteil in Dur, der mit beschleunigten Rhythmen, plötzlichen Verzögerungen und spielerischen Akzenten für Abwechslung sorgt. Schließlich kehrt das Anfangsthema zurück und führt das kurze Stück zu einem wirkungsvollen Abschluss.
Die Ungarischen Tänze zählen zu Brahms’ populärsten Werken. Sie verbinden Elemente der ungarischen Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts mit seiner ausgeprägten Gestaltungskunst. Ursprünglich für das gemeinsame Musizieren am Klavier bestimmt, wurden sie bald für zahlreiche Besetzungen bearbeitet. Besonders die Orchesterfassungen machten die Tänze weltweit bekannt.
Entstehung: vor 1869, innerhalb der 1. Sammlung
Erstveröffentlichung: 1869, Verlag N. Simrock, Berlin
Originalbesetzung: Klavier zu vier Händen
Spieldauer: ca. 2½-3 Minuten
Uraufführung: nicht gesichert dokumentiert
Detail am Rande: ausgerechnet die berühmteste Melodie der Ungarischen Tänze stammt nicht von Brahms. Sie geht auf den Csárdás „Bártfai emlék“ des ungarischen Komponisten Béla Kéler zurück, den Brahms offenbar für eine überlieferte Volksmelodie hielt. Kéler ärgerte sich darüber, dass sein Stück inzwischen allgemein Brahms zugeschrieben wurde, und stellte 1879 öffentlich klar, dass er die Melodie bereits rund zwanzig Jahre zuvor komponiert hatte.

