Robert Schumann (1810-1856)
„Bilder aus Osten” op. 66
1. Vivace ma non troppo – lebhaft
2. Andante con moto – nicht schnell
und sehr gesangvoll zu spielen
3. Un poco maestoso – im Volkston
4. Andantino – nicht schnell
5. Vivace – lebhaft
6. Molto moderato – reuig, andächtig
Robert Schumann (1810-1856) war fasziniert vom Orient. Nachdem er bereits mehrere Gedichte aus dem „West-östlichen Divan” von Goethe vertont hatte, fiel ihm ein Buch des mittelalterlichen Dichters und Sprachgelehrten Abu Muhammad al-Qasim Ibn Ali al-Hariri in einer Übersetzung von Friedrich Rückert in die Hände, welches ihn zu dem sechsteiligen Klavier-Zyklus „Bilder aus Osten” op. 66 zu vier Händen inspirierte. Ali a-Hariri reiht volkstümliche Geschichten ohne fortlaufende Handlung in sogenannten Makamen aneinander, einer Gattung gereimter Prosa.
Orientalische Musik, die arabische Skalen aufgreift, sucht der Zuhörer allerdings vergebens, denn anstatt von Tonmalerei und Tonsymbolik durchzogener Programm-Musik handelt es sich vielmehr um Stimmungsbilder voller Poesie und Innigkeit.
Die Orchesterfassung stammt vom damaligen Gewandhauskapellmeister Carl Reinecke (1824-1910), der mit Robert Schumann befreundet war. An den Jahreswechsel 1848/49 erinnerte sich Reinecke wie folgt: „Acht Tage später kam Schumann nach Leipzig, und dort war es mir vergönnt, mit ihm seine vierhändigen «Bilder aus Osten» aus dem Manuskript zu spielen. […] Als wir geendet hatten, meinte er: «Die Stücke müssten Sie einmal instrumentieren!»”. 1874 fand schließlich unter Reineckes Leitung die Uraufführung mit Orchester statt.
Quellen:
Vorwort zur Partitur von Wolfgang Jacob
WDR 3 Werkbetrachtung: Robert Schumanns „Bilder aus Osten”