Felix Mendelssohn Bartholdy
4. Symphonie „Italienische”
1. Allegro vivace
2. Andante con moto
3. Con moto moderato
4. Saltarello. Presto
Sie gehörte einfach für den Adel und das gehobene Bürgertum dazu: die Bildungsreise, deren ultimativer Höhepunkt Italien war. Auch der junge Felix Mendelssohn Bartholdy wurde von seinem Vater im Mai 1830 auf diese Grand Tour geschickt. Über Weimar, wo er Goethe traf, ging es nach München und Wien und schließlich nach Venedig, Florenz, Rom und Neapel.
Eineinhalb Jahre war der junge Komponist unterwegs, berauscht von den vielen Eindrücken, die er in zahlreichen Briefen festhielt. Mendelssohn dürstete nach Bildung, dazu studierte er Notenhandschriften und fertigte Kopien von alten Meistern an. Erstaunlich ist, dass er neben alldem noch Zeit fand, intensiv zu komponieren. Die Ouvertüre „Die Hebriden” entstand hier, und er erhielt Inspirationen für seine „Italienische Sinfonie”. Im Februar 1831 schrieb er an seine Schwester Fanny: „Überhaupt geht es mit dem Componieren jetzt wieder frisch. Die «italienische» Sinfonie macht große Fortschritte; es wird das lustigste Stück, das ich gemacht habe.”
Prägnant und mit sprudelnder Frische eröffnet die Sinfonie: Über den raschen Achtel-Wiederholungen der Holzbläser und Hörner entfaltet sich das Hauptthema in den Violinen. Der Signal-Charakter dieses Beginns prägt den gesamten Satz.
Das folgende „Andante con moto” in d-Moll verströmt eine elegische Stimmung; der trauermarschartige Satz entstand mutmaßlich in Anlehnung an eine Pilgerprozession, der Mendelssohn in Neapel beiwohnte. Zu Beginn ertönt ein zweitaktiges Motto, welches an strukturellen Angelpunkten wieder auftaucht. Eine Verwandtschaft zwischen dem sich anschließenden Hauptthema und der Vertonung des Goethe-Gedichts „Es war ein König von Thule” von Carl Friedrich Zelter ist kaum zu überhören. Somit könnte dieses Zitat auch als eine Art zweifache Hommage an die beiden Mentoren Mendelssohns verstanden werden.
Auf das klassische Menuett greift Mendelssohn im dritten Satz, „Con moto moderato”, zurück. Von zart schwingenden Melodien der Streicher eröffnet, verströmt es Leichtigkeit und flankiert ein Trio mit bittersüß eingedunkelten Akkorden der Hörner und Fagotte.
Und nicht in der zu erwartenden Grundtonart A-Dur, sondern in deren Moll-Variante steht dann das „Presto”-Finale, das nach dem aus Rom stammenden lebhaften Springtanz als „Saltarello” bezeichnet ist. Es tritt als herbwilde Spiegelung des Kopfsatzes auf, woran fugierte Zitate erinnern.
Mendelssohn liebte den Blick in die Vergangenheit, er blieb größtenteils in der klassischen Tradition Beethovens und empfand dies nie als Bürde. In der „Italienischen” Sinfonie verkehrte er Beethovens dramaturgische Leitlinie „vom Dunkel ins Licht” ins Gegenteil.
Quellen:
www.br-klassik.de
www.rondomagazin.de
www.symphonikerhamburg.de
www1.wdr.de