Wolfgang Amadeus Mozart
Sinfonie Nr. 39 KV 543
1. Adagio – Allegro
2. Andante con moto
3. Menuetto. Allegretto
4. Finale. Allegro
Die „Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543” komponierte Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) zusammen mit seinen beiden anderen letzten Sinfonien KV 550 und 551 innerhalb weniger Wochen im Sommer 1788, wobei sich die Frage nach Gemeinsamkeiten der Werke im Sinne einer „Trias” wissenschaftlich nicht überzeugend beantworten lässt. Wenngleich die 39. Sinfonie das erstdatierte der drei Werke darstellt, so erhielt sie im frühen 19. Jahrhundert den Beinamen „Schwanengesang”, womit die letzte Äußerung eines Künstlers gemeint ist.
Mozart schrieb die Sinfonien in einer Krise, die durch finanzielle Not gekennzeichnet war, weshalb er sich in Bittbriefen an seinen Logenbruder Michael Puchberg wandte. Zitate hieraus finden im ersten Satz der 39. Sinfonie eine Entsprechung, so in der Adagio-Einleitung, die – geführt von der Pauke – wie eine Einladung beginnt: „Kommen Sie doch zu mir und besuchen Sie mich; […] ich habe in den 10 Tagen daß ich hier wohne mehr gearbeitet als in andern Logis in 2 Monat.” Danach scheint es, als würden die Elemente der Einleitung ziellos durcheinandertreiben: „und kämen mir nicht so oft so schwarze Gedanken (die ich nur mit Gewalt ausschlagen muß) würde es mir noch besser von Statten gehen.”
Nach schrillen Dissonanzen siegt die Melancholie, in die schließlich der Allegro-Hauptteil einstimmt – mit Themen, die sempre piano voll schwarzer Gedanken daherkommen, bis diese schließlich von den kämpferischen Tutti „mit Gewalt ausgeschlagen” werden.
Das Andante con moto, formal ein Rondo, suggeriert einen schreitenden Reigen, der kurz vor Schluss nach einer lang gezogenen Melodie der Violinen in einen Akkord von „unaussprechlichem” Schmerz mündet. Die von E.T.A. Hoffmann 1810 verfasste Deutung der Sinfonie trifft ganz besonders auf den zweiten Satz zu, wenn es heißt: „In die Tiefen des Geisterreichs führt uns Mozart. Furcht umfängt uns: aber ohne Marter ist sie mehr Ahnung des Unendlichen. Liebe und Wehmut tönen in holden Stimmen, die Nacht der Geisterwelt geht auf in hellem Purpurschimmer, und in unaussprechlicher Sehnsucht ziehen wir den Gestalten nach, die freundlich uns in ihre Reihen winken.”
Das Menuett klingt alles andere als höfisch, sondern geriert sich ganz direkt und derb. Das Trio setzt hierzu als volkstümlicher Ländler mit schelmischen Echoeffekten einen humorvollen Kontrast.
Das stürmische, ungestüme Allegro-Finale erinnert an ein Perpetuum mobile. Fanfarenartige Motive und Floskeln sowie das „Wirbelmotiv” peitschen die Streicher über die Saiten. Überraschend ist das Satzende: zweimalige Wiederholung des Wirbelmotivs im Es-Dur-Unisono-Forte mit anschließender Generalpause. Das ist fast so, als würde Mozart am Schluss von außen die Tür zuschmeißen.
Mathias Husmann merkt hierzu treffend an: „Dieser abschnappende Schluss gefiel nicht allen, aber das interessierte Mozart nicht mehr – zu seinen Lebzeiten war die Sinfonie nie erklungen; wir aber dürfen uns einen Fußtritt von Mozart gern gefallen lassen!”
Quellen:
Husmann, Mathias www.concerti.de, de.wikipedia.org